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Monte Generoso
Versammlung
Zwei Tage in Gesellschaft.
Die Verbindung zwischen dem Moto Club Generoso und dem Berg, dessen Namen er trägt, reicht tief in die Geschichte des Tessiner Motorradsports zurück.
Zwischen 1964 und 1972 organisierte der Club die Trofeo RIRI – Mendrisio–Monte Generoso, ein spektakuläres Motorrad-Bergrennen, das sich im Laufe der Jahre zu einer der bedeutendsten und bekanntesten Motorsportveranstaltungen der Region entwickelte.
Die erste Ausgabe fand 1964 statt. Die Teilnehmer starteten in Mendrisio und nahmen die lange Auffahrt in Richtung Monte Generoso unter die Räder. Für ein Wochenende verwandelte sich die Strasse in eine echte Rennstrecke.
Gefahren wurde gegen die Uhr, mit Motorrädern verschiedener Hubraumklassen sowie mit den spektakulären Seitenwagengespannen. Die Strecke bot schnelle Passagen, Kurven, Kehren, Ortsdurchfahrten und anspruchsvolle Steigungen.

Dazu kam eine Besonderheit, die heute bei einem Rennen kaum mehr vorstellbar wäre: Die Strecke kreuzte die Gleise der Zahnradbahn auf den Monte Generoso.
Um den Motorrädern und insbesondere den Seitenwagen die Überquerung zu erleichtern, wurden Bretter über die Schienen gelegt. Sobald sich jedoch der Zug näherte, mussten diese entfernt und nach seiner Durchfahrt sofort wieder aufgelegt werden.
Und selbstverständlich hatte der Zug immer Vortritt. Auch während des Rennens.
Von Jahr zu Jahr gewann die Trofeo RIRI an Bedeutung. Sie zog Schweizer und internationale Fahrer an und entwickelte sich zu einem viel beachteten Termin im Motorsportkalender.
Auf dem Monte Generoso gingen grosse Namen wie Luigi Taveri, Phil Read, Walter Rungg und Mike Hailwood an den Start.
Im Jahr 1972, der letzten Austragung des Rennens, erreichte die Mendrisio–Monte Generoso einen ihrer sportlichen Höhepunkte und war Teil der Motorrad-Berg-Europameisterschaft.
Damit endete zwar das Rennen, nicht aber seine Geschichte.
Die Erinnerung an die Trofeo RIRI ist im Club und in der Region bis heute lebendig geblieben.
Unter all den Geschichten, die aus den Jahren der Trofeo RIRI überliefert wurden, ist eine ganz besonders zur Legende des Moto Club Generoso geworden.
Wir schreiben das Jahr 1968.
Bei der Mendrisio–Monte Generoso erscheint niemand Geringerer als Mike Hailwood, einer der grössten Motorradrennfahrer aller Zeiten, mehrfacher Weltmeister und weltweit bekannt als „Mike the Bike“.
Die damaligen Verantwortlichen des Auto Moto Club Generoso konnten ihm lediglich ein Startgeld von 500 Schweizer Franken anbieten.
Selbst für die damalige Zeit war dies eine äusserst bescheidene Summe, insbesondere für einen Fahrer seines Formats auf einer offiziellen Honda.
Mike fand dieses ungewöhnliche Angebot jedoch offenbar so sympathisch, dass er sich entschied, nach Mendrisio zu kommen.
Bei seiner Entscheidung spielte sicherlich auch die Freundschaft mit dem grossen Luigi Taveri eine Rolle. Der 125-ccm-Weltmeister war unserem Club eng verbunden und regelmässiger Teilnehmer am Bergrennen auf den Monte Generoso. Taveri hatte Hailwood viel Gutes über die Veranstaltung und die besondere Atmosphäre in Mendrisio erzählt.
Am Samstag zeigte Hailwood bereits im Training eindrucksvoll, weshalb er zu den besten Fahrern der Welt zählte.
Er jagte mit beeindruckender Geschwindigkeit den Monte Generoso hinauf und erzielte eine aussergewöhnliche Zeit.
Die Anwesenheit von Mike hatte alle Teilnehmer zusätzlich angespornt. Jeder wollte sich mit dem grossen Champion messen. Den Erzählungen der damaligen Organisatoren zufolge war es ein besonders turbulenter Trainingstag mit zahlreichen Stürzen und nicht weniger als 17 Verletzten, die ins Spital von Mendrisio gebracht wurden.
Alle wollten den grossen Mike schlagen.
Während des Trainings zeigte sich jedoch auch ein technisches Problem: Die Übersetzung seiner Honda war für eine anspruchsvolle Bergstrecke wie jene des Monte Generoso nicht optimal.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde deshalb in aller Eile ein grösseres Kettenrad angefertigt, das besser zur Bergstrecke passte.
Diese Aufgabe übernahmen ausgerechnet die Mechaniker von RIRI, der bekannten Reissverschlussfabrik, die damals Sponsor der Veranstaltung war und dem Trofeo seinen Namen gab.
Am Sonntag schien somit alles bereit für eine ganz besondere Fahrt.
Hailwood startete und schoss wie ein Blitz den Berg hinauf.
Mit seinem aussergewöhnlichen Können und einem Motorrad, dessen Leistung kaum ein anderer Teilnehmer erreichen konnte, hätte er beste Chancen auf den Sieg gehabt.
Doch auf der Strecke wartete jener besondere Bahnübergang der Monte-Generoso-Bahn.
Der Zug war gerade vorbeigefahren und die Bretter zum Ausgleichen der Schienen waren noch nicht wieder aufgelegt worden.
Mike kam mit sehr hoher Geschwindigkeit an.
Seine Honda machte beim Überqueren der Schienen einen gewaltigen Satz. Unmittelbar danach folgte eine Kurve. Hailwood musste bremsen, verlor die Kontrolle über das Motorrad und stürzte. Dabei zog er sich einen schweren Schlüsselbeinbruch zu.
Damit war das Rennen für den grossen Mike beendet.
Und auch die Fahrt seiner fantastischen sechszylindrigen Honda in Richtung Gipfel des Monte Generoso war vorbei.

Die aussergewöhnliche Trainingszeit konnte somit nicht als offizieller Rennrekord bestätigt werden.
Der Rekord der Mendrisio–Monte Generoso blieb deshalb mit dem Namen Walter Rungg verbunden, einem weiteren grossen Protagonisten unseres Bergrennens, auf seiner Aermacchi.
Auch über Rungg ist eine Geschichte überliefert, die den Geist des damaligen Motorradsports hervorragend beschreibt.
Man erzählt sich, dass er von Bern aus mit seiner Aermacchi ganz normal auf der Strasse bis nach Mendrisio fuhr. Dort angekommen, wechselte er den Auspuff, bereitete das Motorrad für das Rennen vor, fuhr – und gewann – und montierte anschliessend wieder den Strassenauspuff, um am Sonntagabend mit demselben Motorrad nach Bern zurückzufahren.
Andere Zeiten.
Und andere Geschichten.
Rund um Hailwoods Aufenthalt in Mendrisio kursieren ausserdem Erzählungen über besonders fröhliche Abende in der Bar Stella, die angeblich damit endeten, dass Mike auf dem Hinterrad durch die Strassen des Ortes fuhr.
Wie viel davon wirklich stimmt, wissen wir nicht.
Aber auch nach fast sechzig Jahren ist es schön, diese Geschichten weiterzuerzählen.
Sie erinnern an eine Zeit, in der Weltmeister, Privatfahrer, Mechaniker und Motorsportbegeisterte im selben kleinen Ort, auf derselben Strasse und vor derselben Stoppuhr zusammenkommen konnten.
Eine Epoche, die einen wichtigen Teil der Geschichte unseres Clubs geprägt hat.
Viele Jahre nach dem Ende der Trofeo RIRI entstand die Idee, die Motorräder wieder auf den Monte Generoso zurückzubringen.
Diesmal allerdings ohne Stoppuhr.
Im Jahr 2023 begannen der Präsident des Moto Club Generoso Mario Grassi und Walter Schick, Präsident des Carnevale Benefico Sant'Antonio di Balerna, einem langjährigen Partner und Freund unseres Clubs, der seit Jahren auch für die Verpflegung bei unseren Veranstaltungen verantwortlich ist, über eine neue Veranstaltung nachzudenken.
Der Moto Club Generoso organisierte bereits wichtige Veranstaltungen rund um den Motorsport und die Geschichte des Motorrads, allen voran die historische Gedenkveranstaltung Chiasso–Pedrinate.
Nun sollte jedoch etwas anderes entstehen.
Ein touristischeres, unkompliziertes und geselliges Treffen, offen für alle, die gerne mit dem Motorrad unterwegs sind, andere Motorradfahrer kennenlernen und gemeinsam ein Wochenende verbringen möchten.
Und welcher Ort könnte die Geschichte des Moto Club Generoso besser verkörpern?
Die Antwort lag auf der Hand: der Monte Generoso.
So entstand die Idee, an die frühere Mendrisio–Monte Generoso zu erinnern und genau an jenen Ort zurückzukehren, an dem viele Jahre zuvor die Fahrer der Trofeo RIRI ins Ziel gekommen waren.
Im Jahr 2024, genau 60 Jahre nach der ersten Austragung des Rennens von 1964, entstand somit das Motorradtreffen Monte Generoso.

Dort, wo einst Rennmaschinen im Kampf gegen die Stoppuhr ins Ziel schossen, treffen heute Motorradfahrer aus verschiedenen Regionen und Ländern ein, um gemeinsam ein Wochenende auf dem Berg zu verbringen.
Die erste Ausgabe begann fast wie ein Treffen unter Freunden.
Ein paar Zelte, einige Motorräder und eine Gruppe von Freunden.
Man fuhr zur Bellavista, stellte sein Zelt auf, ass gemeinsam und verbrachte den Abend mit Gesprächen über Reisen, Motorräder und Abenteuer.
Eine einfache Idee, die genau das verkörperte, was wir schaffen wollten.
Kein Wettbewerb.
Keine Rangliste.
Nur Motorräder, Freundschaft, Natur und Leidenschaft.
Bereits seit der ersten Ausgabe im Jahr 2024 ist das Motorradtreffen Monte Generoso im internationalen FIM-Touring-Kalender aufgeführt.
Eine wichtige Anerkennung, die der Veranstaltung von Beginn an eine internationale Dimension und europaweite Sichtbarkeit verliehen hat. Dadurch werden unser Treffen, der Moto Club Generoso und die Region Mendrisiotto auch über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt.
Von Ausgabe zu Ausgabe ist das Treffen gewachsen.
Im Jahr 2026, bei seiner dritten Austragung, konnte die Veranstaltung einen grossen Erfolg verzeichnen und bestätigte damit, wie richtig die Idee war, die nur drei Jahre zuvor entstanden war.
Besonders freut uns jedoch, dass wir wachsen konnten, ohne den Geist der ersten Ausgabe zu verlieren.
Die Zelte.
Die Motorräder auf dem Berg.
Ein gemeinsames Abendessen.
Gespräche unter Motorradfahrern.
Das Panorama des Monte Generoso.
Und das besondere Gefühl, am Morgen neben dem eigenen Motorrad aufzuwachen – genau an jenem Ort, an dem mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor einige der grössten Champions des Motorradsports ins Ziel gekommen waren.
Vom Dröhnen der Rennmaschinen der Sechzigerjahre bis zum Rascheln der Zelte an der Bellavista hat sich vieles verändert.
Der Berg, die Leidenschaft für zwei Räder und die Freude am gemeinsamen Erlebnis sind jedoch dieselben geblieben.
Und genau darin liegt der Geist des Motorradtreffens Monte Generoso:
Unsere Geschichte nicht nur zu bewahren, sondern sie gemeinsam weiterzuleben – auf dem Motorrad.
